L:
Eigentlich macht mich alles Fremde neugierig. Das eine mehr das andere weniger. Ich denke, das ist so ne Art Grundhaltung, die man mitbringen sollte, wenn man Therapeutin/Beraterin ist.
Fremde Orte machen mich zum Beispiel jedoch nicht so neugierig wie fremde Menschen. Und ich kann mit etwas Fremden,glaube ich, besser umgehen, wenn auch ein Teil bereits bekannt ist. Es so eine Art Bezugspunkt gibt. z.B. würde ich mich einem fremden Ort mit ausschließlich fremden Menschen weniger gern aussetzen als einem bekannten Ort mit fremden Menschen und umgekehrt.
Hmm, ich hab das Gefühl, das noch nicht ausreichend beantwortet zu haben, aber ich lass es erstmal so...

Achso ja noch was, ich finde die Rahmenbedingungen ganz entscheidend, in denen man auf das Fremde trifft. Damit es eben neugierig oder ängstlich macht. Das meint auch das, was ich oben sagte, mit den fremden Orten. (Da steckt auch irgendwie der Heimat-Begriff mit drin.)

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E:
Gute Frage! Ich denke, es steht in Verbindung mit einer Menge Faktoren, die ohne konkretes Beispiel zu keiner zufriedenstellenden Antwort führen kann.

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S:
1. Die Veränderbarkeit, ob es wirklich so sein muss oder nicht auch anders sein könnte. Und die Frage, wie man diese scheinbar endlose Dauer, die ich von außen als ereignislos ansehe, überhaupt aushält. Sie können z.T. nichts mehr lesen, nichts hören, nichts mehr behalten.
2. Das Analoge, das Unbekannte, das Wissen darum, das 'Back to the roots'
3. Das Paradox, von dem ich oben schrieb. Mein Gehirn kann das 'indirekte Umbringen' von Tieren nicht verarbeiten. Ich kann es rational benennen, aber nicht die richtigen Schlüsse ziehen. Ich verdränge es, es ist mir anscheinend nicht bewusst. Wahrscheinlich müssten jeden Tag Bilder von Schlachtereien in den Medien zu sehen sein, um mir das ganze bewusster zu machen.
4. Das Dramatische natürlich. Aporien, also (scheinbare) Ausweglosigkeiten, sind ein klassisches Element in dramatischen Stoffen. Im Grunde ist das Thema der Ausweglosigkeit auch stark mit Selbstmord verbunden. Diese Zahlen sind ja noch immer immens hoch, vor allem in Japan auch. Das ist etwas, was ich nicht verstehe. Wie schlimm oder verpeilt oder hoffungslos kann denn ein Leben sein, dass man nur noch einen einzigen Weg erkennt. Das ist wirkliche Armut. Aber ich denke, sie ist bei so etwas oft eine Illusion. Vielleicht ist es dann auch nur Faulheit oder fehlender Mut, neu und woanders anzufangen, eine Perspektive zu sehen. Für mich sieht es irgendwie einfach aus, von einer Einbahnstraße auf eine Straße mit Gabelung zu kommen. Die Enge macht mich aber eigentlich doch nicht neugierig, Sie macht mir vielleicht eher Furcht.

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M:
- Gier sei im Prinzip niemandes und bezogen auf mich selbst, so hoffe ich, so gut wie kein Thema/Gewohnheit, insofern aus dem bereits erwähnten Immer-schon-Voraus von (E. Stein: endlichem und ewigem) Sein (Selbst) und Welt (schier unendlicher Möglichkeit von Ordnung, Anderheit und Fremdheit) ein originäres Interesse an einer (alltagsbewährten) Phänomenologie des Fremden besteht. In diesem Sinne der darin bekannten und mannigfaltig nicht allein nur in der Philosophie gegebenen Voraussetzungen für eine sich stets erneuernde Erkenntnis folgend, welche bekanntermaßen nur im Reich der Affektbändigung, Ressentimentbearbeitung und eingedenk der Vielzahl konstruktiv schöpferisch gestaltender Modi durch die Kunst der Begegnung und des Dialogs mit dem Fremden das produktive Feld intersubjektiver Grenzbearbeitung zu erschließen lernt, lässt sich darauf verweisen, dass zurreichende Gründe für ein Erkennen von Eigenem im Unterschied zum Fremden innerhalb der eigenen Reservate insgesamt nicht erbeutet, sondern ausschließlich gewonnen, ja im Geben, Sich-Hingeben und Hin-Schenken weitergegeben werden können. (An die religiöse, mithin christliche Dimension, aber auch an die in diesem Feld bereits anklingende Erotik/Fraglichkeit der Existenz und damit auch die der Sprache der Mystik braucht man an dieser Stelle im Grunde nicht hinweisen.)

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L:
Neugierig machen mich Dinge, die eine neue Welt eröffnen. Meistens sind es Dinge und fremde Menschen, die z.B. durch ihren Kleidungsstil, ihre Vorlieben etwas haben, was mich reizt. Ich kann nicht genau definieren was.

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S:
Wenn es größer ist als ich. Wenn ich merke, das Menschen, Gruppen die böse Blicke austeilen meinen Blick auf die Welt auch betrüben. Kann ich das auch schaffen, meinen Standpunkt weiter zu vertreten, weiter an das Gute zu glauben, wenn zu vieles um mich herum negativ auf die Dinge schaut?