L:
Hmm, also wie geh ich damit um. Oft kommt es vor, dass ich erst einmal ablehnend reagiere, wenn mir etwas fremd und unzugänglich erscheint. Halt anders ist und unbekannt. Das liegt aber, glaube ich, sehr an meiner Skeptiker-Natur, die mich schützt. Ich brauch´ ziemlich lang, um etwas "wirklich" zu verstehen. Dabei sind Fragen von größter Nützlichkeit. Das nervt oft, also die anderen. Und das tut es, glaube ich, weil die anderen sich ja dann auch auseinander setzen müssen. Mit ihrem eigenen und meinem anderen.
Also kurz gesagt: für eine Fragen-Kultur!

<>

E:
Wenn ich mich in einer Situation befinde, die ich als fremd/unbekannt/anders etc. wahrnehme, versuche ich zu eruieren, worauf diese Wahrnehmung und das meist einhergehende Gefühl basiert.
Folgend, wenn ich mich selbst der Situation ausgesetzt habe oder in dieser durch X verweilen möchte bis muss, setze ich mich mit dieser und meiner Wahrnehmung sowie Gefühl auseinander. Ich versuche es also rational zu ergründen und mich zu stellen.

<>

S:
1. Ich gehe schnell an ihnen vorbei, grüße kurz, aber das wars schon. Diese Hilflosigkeit ist vor allem erschreckend. Zur Kompensation denke ich daran, dass ich im Alter hoffentlich nicht so hilflos sein werde und mit Freunden im Altersheim bin, mit denen wir alles anders machen können.
2. Fast gar nicht. Ich kann es mir bewusst machen, aber nur kurz. Ich kann es mir mit Arbeitsteilung erklären, produziere aber selber selten eigenes, was greifbar sein könnte. Recht wenige Leute sind in der Produktion in Deutschland, die meisten Produkte in unserer Umgebung kommen sowieso aus anderen Ländern. Ich denke nicht an Quellen, lese aber etwas darüber, wenn ich mal auf Texte oder Medien bei so etwas stoße.
3. Hab ich noch nie gemacht, denke auch nie daran. Würde es wohl auch nicht machen. Fand es aber mal gut, als jemand meinte, dass die Menschen die Tiere, die sie essen, auch selber erlegen sollten. Es ist eine schwierige Frage. Also ich esse tierische Produkte, auch Fleisch, würde aber kein Tier von Hand töten. Dass ich die Tiere indirekt töte, verdränge ich. Ich akzeptiere also die grausame Wahrheit im Hintergrund. Wahrscheinlich sehe ich Tiere den Menschen nicht als gleichwertig an. Das ist aber paradox, da ich nicht mal Fliegen umbringe. Definitiv ein noch ungeklärtes Problem.
4. Kenne ich noch nicht, bereite mich evtl. schon darauf vor bzw. lebe immer so, dass ich mehrere Wege habe. Aber das ist so auch nicht richtig. Viele Wege, Möglichkeiten, Sicherheiten kommen auch durch andere zustande. Das ist deswegen, weil man nicht allein hier ist. Folgerichtig ist mir wahrscheinlich das Gefühl von totalem Alleinsein auch fremd. Ich habe Familie, Freunde, Erinnerungen, Welt und sogar Staat, System, Sprache, Bücher, Kultur. Alles noch zahlreich da. Ohne Eltern wäre es bestimmt trister.

<>

M:
a) Forschung, Strategieentwicklung, Schärfung des Bewusstseins für die Phänomene des Fremden und Phänomenalität (Sich-zeigen) überhaupt, mit Augenmerk insbesondere auf Erscheinungen das Sichzeigen selbst, das Sich-von-sich-selbst-her-Zeigen des Selbst, der Natur, der Freiheit, der Gnade, Gottes (Offenbarung), von Anderem, von anderen 'Selbsten", im Unterschied dazu von Eigenem, Fremden etc.
b) das Ereignis der eigenen Existenz durchklären, resp. lassen [M. Buber: "Das Ich empfängt sich vom Du.") [regelmäßig, kontinuierlich, wiederholt, sporadisch, intuitiv etc.]

<>

L:
Da kommt es ganz darauf an, ob es das angenehme und spannende fremd, oder das abschreckende fremd ist. Beim Spannenden versuche ich mich damit auseinanderzusetzen und in diese Richtung zu gehen, oder mich damit zu umgeben. Vielleicht auch ein kleines Stückchen mein eigen machen, dann ist es nicht mehr so fremd. Bei dem Unangenehmen gehe ich dem aus dem Weg. Wenn ich Leute kennenlerne, die anders drauf sind als ich, mir also fremd und ich kein gutes Gefühl habe und dann auch noch die Wohnungseinrichtung schlimm ist, um darauf zurückzukommen, dann denke ich einfach, dass ich da nicht richtig bin. Und halte mich an das mir Vertraute, oder das spannende Fremd.

<>

S:
Ich versuche weiter zu lächeln.