L:
Ich weiß nicht, ob man nicht differenzieren sollte zwischen "fremd" und "anders".
Wie in dem angehängten Text ist der Bezugspunkt ja immer man selbst. Entsprechend ist das Fremde das "Nicht-Ich". Also in dem Falle das "Du",
und da sind wir auch schon ganz schnell bei Martin Buber (zumindest in meinem Koppf).
Der hat ja so schön gesagt, dass sich das "Ich" nur am "Du" entwicklen kann. Aber das nur nebenbei.

Ich glaube, für mich wird Immer(!) fremd sein, was ich noch nicht kennengelernt habe oder noch nicht "integriert" habe. Was für mich unverstanden bleibt. Denn so absonderlich oder fremd mir ein Mensch, ein Ding, ein Gedanke auch sein mag, sobald ich ein inneres Verständnis dafür aufbringen kann, ein Mitfühlen erreiche, oder es in mir eine Art Resonanz gibt, kann ich mir das alles sozusagen "aneignen" und dann erscheint es nicht mehr als fremd.
Ich glaub´, da gehts ganz viel auch um Wandlungsfähigkeit und Offenheit erst einmal sich selbst gegenüber.
Und wie in dem Textauszug schon gesagt wurde, ich selbst bin die Grenze - ab da wird´s quasi immer(!) fremd.
Aber wenn es diese Grenze nicht gäbe... dann sind wir bei den Psychotikern, die sich zum Teil mit allem verbunden fühlen (Verlust der Ich-Grenzen), oder wie im LSD Rausch oder so. Grenzenlos ist gefährlich, finde ich. Was ich meine ist Aneignung durch bewusste Auseinandersetzung.

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E:
Ich glaube, die Endgültigkeit des Immer gibt es nicht. Zumindest nicht, wenn sich dieser Frage und dessen Inhaltlichkeit objektiv gestellt wird. Klar, im Sprachgebrauch ist es schnell mal salopp formuliert, aber dann meist auch eher affektiv oder/und des entsprechendem Gefühlsumstandes zuzuschreiben.

Sobald man sich der Fragestellung oder der Situation bzw. dem, was dazu führt, dass entsprechende Definition getroffen wird, stellt, sich damit auseinandersetzt/beschäftigt, entsteht eine Schnittstelle, eine Art Verständnis für das definierte Fremde/Unbekannte/Andere, wo folglich nicht mehr von dieser gesprochen werden kann - Transformation.

Eine anhaltende/-dauernde Grundlage der Definition ''das Fremde/Unbekannte/Andere'' bedarf eine kontinuierliche Abwesenheit von Schnittstellen/Zugängen etc.

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S:
1. FREMD = Die Leute im Altersheim: Insassen, aber auch die Pfleger
2. FREMD = Dinge eigenhändig zu produzieren, die mich umgeben
3. FREMD = ein Haus- oder Nutztier zu töten und zuzubereiten
4. FREMD = eigene AuswegsLosigkeit (Aporie)

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M:
- ) immer bin ich mir und ist Welt mir voraus - dem das bewusst ist, ist dies zugleich zueigen und, so meine ich gleichzeitig, nicht weniger fremd
a) im Prinzip nix und niemand, solange ich nicht selber fremdel oder mir gegenüber jemand fremdelt
b) meistens fremd (wenn ich nur wachsam genug bin): alles auf einmal (totales Sein, Identität als erratischer Block, Vernichtungsmaschinerien) und doch fast nichts (Chimären; nutzlose, mithin tödliche Dinge, bloßer Schein, brutales Zeigen; etwas, ein Seiendes, das zu schön scheint und zu viel will, um auch nur im Ansatz tatsächlich, wirklich oder aber möglich wahr und gut zu sein)
c) um mit Nietzsche zu antworten: das Tier, Menschliches, Allzumenschliches

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L:
Fremd sind mir Dinge, bei denen ich das Gefühl habe, ich kann sie mir nicht zu eigen machen, oder ich komme da nicht ran. Es gibt verschiedene Arten von fremd. Etwas kann für mich fremd, faszinierend sein und es gibt Dinge, die finde ich fremd und will damit auch absolut nichts zu tun haben. Das ist auch bei Kulturen so. Manche sind mir fremd, auch so fremd, dass ich nie dieselben Vorstellungen haben werde, aber sie faszinieren mich. Dann gibt es Kulturen, da hab ich das Gefühl, ich könnte das nie verstehen, oder ich werde nie dieselbe Sprache sprechen. Fremd ist etwas Entferntes. Man kann sich entfremden innerhalb einer Freundschaft. Dann hab ich das Gefühl, man spricht nicht mehr eine Sprache. Mir sind Leute fremd, die absolut anders denken als ich. Manchmal kann ich das auch schon an einer Wohnungseinrichtung erkennen.

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S:
Menschen, die immer böse gucken. Ich fühle mich fremd, wenn Menschen nicht lächeln oder keine freundlichen Blicke austauschen.